Aus dem Leben einer Waldame

 In Die Wale

Ein Buckelwalweibchen erzählt von ihrem Leben: Warum sie den Gesang der Wal-Männer liebt und was ihr an der Karibik besonders gut gefällt.

Ich heiße Baleine, das heißt auf französisch „Wal“. Ich bin 20 Jahre alt und bin damit für eine Waldame nicht mehr ganz jung, alt bin ich aber auch noch nicht. Meine Mutter ist mit 40 Jahren gestorben, damit war sie schon eine alte Waldame. Der älteste Wal soll 48 Jahre lang gelebt haben – allerdings haben das die Menschen aufgezeichnet, vielleicht ist auch schon einer meiner Artgenossen älter geworden.

Ich bin nicht wirklich dünn. Mit meinen 13 Metern Körperlänge und 27 Tonnen Gewicht bin ich eher Durchschnitt unter den Buckelwalweibchen. Aber ich muss auch zugeben, dass mir das Essen hier im Nordpolarmeer einfach schmeckt. Am liebsten fresse ich Krill, das sind krabbenartige Lebewesen. Gemeinsam mit meinen Artgenossen gehe ich auf die Jagd. Wir haben uns eine besondere Fangmethode ausgedacht: Wir stoßen mächtig viele Luftblasen aus. Daraus wird eine Blasenwand, durch die sich die Fische und der Krill nicht durchtrauen. Wir schwimmen dann einfach mit geöffnetem Maul  durch die Schwärme, die Tierchen bleiben an unseren Barten hängen. Hm, ein wahres Festmahl!

Beim Abtauchen heben Buckelwale ihre Schwanzflosse aus dem Wasser.

Ich könnte zwar auch richtig schnell schwimmen – ein Kumpel von mir hat es mal auf 27 Kilometer pro Stunde geschafft – aber meistens bewege ich mich eher gemächlich voran. Ich schwimme im Durchschnitt mit etwa fünf Kilometer pro Stunde. Da brauche ich schon einige Wochen, wenn ich einmal im Jahr meine große Reise antrete. Dann geht’s aus den schönen kalten Gewässern des Nordpolarmeeres tausende Kilometer südwärts in die lauwarmen Meere der Karibik. Die Temperaturen sind schon ungewohnt, aber dafür ist es dort immer sehr unterhaltsam.

Denn dort balzen die Männer um uns und geben sich dabei richtig Mühe. Sie springen mit dem ganzen Körper aus dem Wasser und klatschen dann mit einem gehörigen Knall wieder auf. Was mir am besten an ihnen gefällt: Sie singen so schön! 622 verschiedene Laute habe ich schon registriert. Die Gesänge bestehen aus Einzelstrophen, die sich regelmäßig wiederholen. Wer am lautesten und am melodienreichsten singt, dem zeige ich schon mal meine Gunst: Drei Mal war ich schon schwanger. Bis ich meine Jungen zur Welt gebracht habe, hat es zwölf Monate gedauert. Meine Kinder kamen wie ich selbst  in der Karibik zur Welt. Dort gefällt es mir besonders gut, weil es nie langweilig wird. Besonders interessieren mich die Boote mit den kleinen Figuren drauf, die immer winken wenn sie mich sehen. Ich frage mich: Sind die vielleicht wegen mir da?

Recommended Posts

Start typing and press Enter to search