Spannende Begegnungen auf See

 In Allgemein, Walflüsterin 2018

Es ist Dienstag und damit mein erster Arbeitstag an Bord des Schiffes von Whale Samaná. Ich bin aufgeregt als ich am Hafen ankomme. Wie wird das Team um die berühmte Walschützerin Kim Beddal sein? Wie ist sie selbst? Werde ich heute tatsächlich Wale sehen? Mit jedem Schritt in Richtung des Schiffs steigt meine Aufregung. Zwar bin ich nur vier Wochen hier, aber trotzdem verursacht so ein „neuer Job“ einiges an Gedankenchaos. Besonders wenn so viele Menschen auf meine Arbeit gespannt sind.

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Am Bootssteg werde ich schon angelächelt. „Marlene? Are you the whale whisperer?“ (Marlene, bist du es, die Walflüsterin?), fragt eine junge Frau.  Ich nicke, stelle mich vor und werde von Eva, einem Crewmitglied von Whale Samaná, herzlich willkommen geheißen. Eva kommt aus Tschechien und hilft jedes Jahr freiwillig in der Walsaison mit. Ebenso die anderen Mädels aus dem Team. Da ist Jana, sie ist eigentlich Whale Watching Kapitän in Kanada. Und da ist Fatima, eine Deutsche, die normalerweise Walbeobachtungen in Portugal begleitet.

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Die Mädels sind furchtbar nett und eine eingeschworene Truppe. Jedes Jahr begleiten sie gemeinsam die Wale in der Bucht von Samaná. Außerdem sind drei Dominikaner an Bord, der Kapitän und zwei Helfern im Gästeservice. Auch sie heißen mich herzlich willkommen.

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Und dann kommt Kim Beddal an Board. Sie hat vor dreißig Jahren den Schutz der Wale in der Bucht von Samaná überhaupt erst zum Thema gemacht. Hier in Samaná ist sie eine Ikone und jeder hat Respekt vor ihr. Ich hatte vorab Videos von ihr gesehen und konnte es kaum abwarten, sie endlich persönlich kennenzulernen. Leider ist Kim an diesem Tag heiser und so verläuft unser Kennenlernen eher mit Hand und Fuß. Ich bin trotzdem stolz, ihr endlich begegnet zu sein.

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Heute soll ich nur Gast sein und muss noch nicht mithelfen. „Schau dir erst einmal in Ruhe alles an und genieß die Ausfahrt“, fordert mich Eva auf. Ich freue mich, denn das gibt mir die Chance mich nur auf die Wale zu konzentrieren. Als wir den Hafen von Samaná verlassen, pocht mein Herz mit jeder Seemeile höher. „Ob ich heute wirklich Buckelwale sehen werde?“, frage ich mich. Ich bin aufgeregt und gleichzeitig habe ich etwas Angst, dass ich seekrank werde. Das passiert ja den tapfersten Matrosen, wenn das Meer aufgewühlt ist. Bei mir als Landratte stehen die Chancen dafür noch höher. Etwas flau ist mir schon, aber Eva hat mir zur Vorbeugung Akkupressur-Armbändchen und eine halbe Antiübelkeitstablette gegeben und so halte ich mich wacker.

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Inzwischen haben wir Cayo Levantado passiert und sind in das Reproduktionsgebiet gefahren. So wird das Gebiet genannt, in das die Wale kommen, um sich zu paaren und – ein Jahr später – ihre Babys zu bekommen. Wir sind jetzt da, wo mein Herz seit langem hin gewandert ist… das Gebiet, in dem ich hoffe, auf Wale zu treffen.

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Wir sind noch keine zehn Minuten unterwegs, als plötzlich Aufregung an Board herrscht. In zwei Richtungen ist der typischen Sproud (die Atemfontäne) gleichzeitig gesehen worden. Eine sogar von mir, allerdings bestimmt zwei Kilometer weit weg. Trotzdem umklammere ich mit zitternden Händen meine Kamera.

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Auf keinen Fall will ich den Moment verpassen, in dem ein Buckelwal auftaucht. Aber genau das tue ich! Denn während ich nach rechts aufs Meer schaue, taucht der Wal direkt neben unserem Boot auf und damit hinter mir.

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Ich sehe noch kurz seinen Rumpf, bevor er wieder im Meer abtaucht. Für ein Foto war ich aber zu spät. Egal, denke ich mir, ich bin ja noch vier Wochen hier. So lange muss ich aber nicht warten. Die Wale in der Bucht von Samaná sind zeigefreudig und schon kurz darauf bekomme ich weitere Tiere zu Gesicht. In der Ferne springt sogar einer! Ich könnte vor Freude tanzen, als der Wal dann auch noch seine Seitenflosse aus dem Wasser hebt und uns zu winken scheint. Diesmal habe ich die Kamera im Anschlag und kann mein Erlebnis dokumentieren.

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Es ist wie bei einer Safari: Augen aufhalten, aufs Wasser schauen und die Atemfontäne entdecken. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich sehe noch einige andere Wale. Als unser Boot in den Hafen zurückkehrt, bin ich einfach nur glücklich und bedanke mich überschwänglich beim Team von Whale Samaná für die gelungenen Sichtungen.

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Für die Mädels an Board ist so ein Tag ja fast schon Routine, aber für mich war es ein tolles Erlebnis. An diesem Abend schlafe ich überglücklich und zufrieden ein.

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