Die Single-Bar von Samaná – Reproduktionsgebiet der Buckelwale.

 In Allgemein, Die Wale, Walflüsterin 2019

Jedes Jahr, zwischen Januar und März, kommen die Buckelwale den weiten Weg von Norden, um in der Bucht von Samaná ihre Kälber zu gebären und Nachwuchs zu zeugen. Heute beobachteten wir eine sogenannte „Reproduktionsgruppe“. Sie bestand aus einem weiblichen und fünf männlichen Walen. Es war eine ungewöhnlich große Gruppe, die wir am Morgen noch sehr aktiv und am Nachmittag ziemlich ausgepowert beobachteten ;-). Kim Beddal, die Gründerin von Whale Samaná und Leiterin der Walbeobachtungstouren, meinte: „Eins kann ich euch sagen, dieses Weibchen muss sehr interessant sein, denn die Männer halten ganz schön lange durch, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen!“


Das Buckelwal-Weibchen zeigt ihre Flipper und schlägt mit ihnen auf der Wasseroberfläche auf. Sie zeigt sich dadurch paarungsbereit.

Bei den Reproduktionsgruppen schwimmt immer vorne das Weibchen. Danach kommen die männlichen Wale. Ganz nah am Weibchen schwimmt der momentan auserwählte Fortpflanzungspartner, die sogenannte „Eskorte“. Dahinter folgen „die Herausforderer“. Sie versuchen den Platz der Eskorte einzunehmen. Immer wieder kann man beobachten, wie die Herausforderer sich wortwörtlich „künstlich aufblasen“, um dem Weibchen zu imponieren. Das tun sie, indem sie viel Luft durch ihr Blasloch einatmen, um es dann unter Wasser auszupusten. Das lässt die Wale größer wirken und zählt zum natürlichen Balzverhalten der Tiere. Es sieht aus als wäre Unterwasser eine Lok am Werk! Lauter Blasen, meterlang.

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Blasenzug eines Buckelwal-Männchens.

Außerdem geht es unter den Männern sehr aggressiv zu. Sie stoßen, schubsen und tauchen immer wieder steil ab, um den ersten Platz der Eskorte zu ergattern. Es geht zu wie bei einem Rugby-Spiel. Schlussendlich wird das Weibchen entscheiden, mit wem sie sich paaren möchte. Kim erklärt dieses Verhalten mit Witz und Ironie: „Stellen sie sich die Bucht von Samaná wie eine riesige Single-Bar vor. Da bläst sich so mancher Mann auf, um das Weibchen für sich zu gewinnen!“

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Tailflip und Luftsprung.

Wer hat Erfolg? Die „aufgeblasenen Machos“ oder die „smarten Softies?“ Im Endeffekt hoffen wir einfach nur, dass die Paarung glückt und nächstes Jahr ein Kälbchen in der Bucht von Samaná geboren wird! Und genau deswegen ist es so wichtig, dass diese Region weiterhin geschützt wird. Denn es ist immer noch nicht vollständig geklärt, warum die Buckelwale die lange Reise von bis zu 7.000 Kilometer auf sich nehmen, um hier ihre Babys zu bekommen. Und so hat Kim recht, wenn sie sagt: „Wir müssen den Tieren ihren Raum so lassen, wie wir ihn einst vorgefunden haben, damit sie sich nicht von hier zurückziehen. Dieses Reproduktionsareal ist einzigartig und muss erhalten bleiben.“

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Detailaufnahme vom Flipper und Furchen.

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