Eine wahre Schatzkammer: Die Fauna und Flora der Dominikanischen Republik

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Elmar Mai ist ein deutscher Biologe, Autor, Filmrealisator und Wissenschaftsjournalist. Bekannt als gefragter Experte und TV-Gärtner aus der ZDF-Sendung „Volle Kanne – Service täglich“, ist er seit über 25 Jahren in den „grünen Redaktionen“ der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten zu Hause. Ob Filmbeiträge in der „Sendung mit der Maus“ für die jungen Mitmenschen oder als Spezialist für viele Themen rund um den Garten und die Natur im Allgemeinen, gibt es kaum ein Thema, über das Elmar Mai noch nicht berichtet hat. Er kennt die Natur der Dominikanischen Republik wie kein anderer und hat auch ein Buch über die dortige Pflanzenwelt geschrieben. Wir haben ihn interviewt und gefragt, welche Pflanzen dort wachsen, was die Flora und Fauna in der Dominikanischen Republik so einzigartig macht und welche Pflanzen er am meisten bewundert.

ElmarHerr Mai, was macht die Flora und Fauna in der Dominikanischen Republik einzigartig?
Elmar Mai: Es ist die unglaubliche Vielfalt auf engstem Raum. In der Dominikanischen Republik wachsen auf der Fläche vergleichbar der von Niedersachsen 5600 Pflanzenarten, in Niedersachen sind es gerade mal 1800 Arten, also rund ein Drittel. Das liegt daran, dass die Dominikanische Republik sich aus mehreren früher separaten Inseln zusammensetzt, die alle ihr eigenes, teils sehr unterschiedliches Arteninventar mitgebracht haben und die geologisch erst vor vergleichsweise kurzer Zeit zusammengekommen sind. Daher ist die Verteilung verschiedener Arten auf Hispaniola auch heute noch ganz unterschiedlich, es gibt so etwas wie Inseln auf der Insel. Viele Pflanzenarten sind selbst hier auf ganz kleine Regionen beschränkt.

Gibt es Pflanzenarten, die es nur hier gibt?
Elmar Mai: Oh ja. Von den 5600 Pflanzenarten sind es stolze 1800 Arten, also etwa ein Drittel, die es aus-schließlich in der Dominikanischen Republik (zusammen mit Haiti) gibt und die man als ende-misch bezeichnet. Das ist eine stolze Zahl. Viele solcher Endemiten besiedeln nur äußerst kleine Areale und bilden ein interessantes Mosaik und sehr spezielle Landschaftsbilder.

Was ist in der Region Samaná besonders charakteristisch in Bezug auf Flora und Fauna?
Elmar Mai: Samaná ist als der letzte größere Baustein erst in historischer Zeit komplett an die Dominikani-sche Republik angedockt, zu Zeiten von Kolumbus war es noch eine Insel. Heute ist es eine Halbinsel, die eine ganz eigene geologische Herkunft hat. Eigentlich ist es ein Teil von Puerto Rico. Samaná ist äußerst schroff und gebirgig und hat im Inneren noch Regionen, die den wilden Charme einer unberührten Naturlandschaft noch zu 100% besitzen. Auch in Samaná wachsen Pflanzenarten und gibt es Tiere, die ausschließlich hier zu finden sind.

Welche seltenen Pflanzenarten gibt es hier zu sehen?
Elmar Mai: Samaná besitzt baumgroße Farne, die ganze Wälder bilden und an den unzugänglichen Steilküsten wachsen Pflanzen, die man bisher nur von hier kennt. Selbst ein recht großer Kaktus ist nur von hier bekannt. Die ganze Zusammensetzung der Arten ist hier anders, wilder und unbändiger.

Was kann man im Parque Nacional Los Haitises entdecken?
Elmar Mai: Der Nationalpark Los Haitises ist einzigartig in der Welt. Er besteht aus extrem ausgewitterten Korallenkalk-Hügeln, die durchlöchert sind wie Schweizer Käse und die den Ureinwohnern, den Tainos, als Behausungen gedient haben. Hier sind viele Kulturstätten zu finden, einige auch zu besuchen. Die Korallenberge, extreme Karstformen, die man Mogotes nennt, sind das Resultat niederschlagsreicher Verwitterung unter tropischen Bedingungen und auch die Vegetation hat sich an diesen extremen Standort angepasst. Eine unglaublich große Artenvielfalt erwartet und überfordert den Besucher, man hat keine Chance, hier als Nichtexperte klarzukommen. Es ist Staunen angesagt. In und auf den Mogotes ist auch der letzte stabile Lebensraum des Ur-Säugetieres, des Schlitzrüsslers, erhalten geblieben: Ein eigenartiges, etwa katzengroßes Nage-tier, das an eine Mischung aus Ratte und Maulwurf erinnert und vor mehreren Millionen Jahren am Festland ausgestorben ist. Kaum einer bekommt es zu Gesicht, denn es ist scheu und nachtaktiv. Spuren gibt es aber reichlich.

MangrovenIn der Dominikanischen Republik gibt es ja auch Mangrovenwälder. Wo befinden sich diese? Kann man sie besichtigen? Und warum sind sie eigentlich so wichtig?
Elmar Mai: Rund um die Küsten kann man überall kleinere oder größere Mangrovebestände sehen, die größten allerdings eindeutig bei Los Haitises in der Bucht von Samaná. Dorthin fahren Boote und durchqueren sie auch hautnah. Aber auch in Gri Gri, im Norden der Insel am Pazifik, gibt es schöne Mangrovebestände, oder in der Lagune von Oviedo im karibischen Meer, um nur einige zu nennen. Mangroven sind Lebens- und Überlebenskünstler, die Bewunderung verdienen. Wachsen sie doch unter lebensfeindlichen Bedingungen, die von Pflanzen eigentlich gar nicht ertragen werden können. Mangroven haben aber eine ganze Palette von aufwändigen Strategien gegen das Salzwasser und die Stürme erfunden. Die größte Bedeutung haben sie als Küstenschutz, weil sie Erosion verhindern und sogar Land hinzu gewinnen. Aber nicht zu vergessen, dass in der Mangrove auch die Kinderstuben unzähliger Meerestiere liegen und dort noch Seekühe vorkommen, die weltweit stark gefährdet sind. Mangroven sind aber auch unersetzliche Rastgebiete für Zugvögel und Brutgebiete für Wasservögel wie Reiher oder Albatrosse. Und last but not least beherbergen Mangroven auch große Mengen Nahrungsressourcen für uns Menschen.

Was kann man in ihrem Naturreiseführer Dominikanische Republik noch erfahren?
Elmar Mai: Es ist eigentlich kein Thema ausgelassen. Von der geologischen Entstehung der Insel über die verschiedensten Strategien der Natur in den unterschiedlichen tropischen Lebensräumen und die Besiedelung der Insel mit Tieren und Pflanzen ist alles dabei. Zudem werden alle Lebensräume beschrieben und die Naturschutzgebiete in ihren wesentlichen Merkmalen vorgestellt. Ein bisschen von dem, wovon die Menschen früher lebten und heute leben oder andere Sonderkapitel über Bernstein oder andere Bodenschätze runden den umfassenden Führer ab. Es ist der Versuch, die Insel ganzheitlich zu betrachten, nicht aus den Augen eines Spezialisten, obwohl auch jeder Spezialist dort genügend Infos bekommt.

Sie reisen ja regelmäßig in die Dominikanische Republik und arbeiten auch als Reiseleiter vor Ort. Welche sind ihre persönlichen Lieblingsplätze?
Elmar Mai: Das ist ganz schwer zu sagen. Im Allgemeinen fiebere ich immer auf Los Haitises hin, freue mich aber auch über den Nationalpark Ébano Verde oder das Valle Nuevo. Doch es gibt so viele so unterschiedliche Ökosysteme, dass ich es nirgendwo lange aushalte und schnell weiter möchte, um möglichst viel zu sehen. Selbst nach 20 Jahren hat sich daran nichts geändert. Und wenn ich dann im Berufsverkehr von Santo Domingo im Chaos stecke, freue ich mich, unter Menschen zu sein, wundervollen Menschen, deren Motto „no problem“ lautet und was zur Bestärkung mit einem unvergleichlichen Lächeln quittiert wird und einer freundlichen Geste „bitte nach Ihnen“.

Welche Pflanzen beeindrucken Sie am meisten?
Elmar Mai: Das ist ganz eindeutig zu sagen! Es ist der Kapokbaum, Ceiba auf Dominikanisch, und zwar be-sonders das Exemplar von Tamboríl. Es verfügt über unglaubliche Dimensionen und der Baum war vermutlich schon 500 Jahre alt, als Kolumbus 1492 als allererster Europäer die Insel betrat. Er steht noch heute da und trotzt jedem Hurrikan. Ein Zeugnis von unbeugsamer Vitalität, das unter die Haut geht. Nicht umsonst war der Kapokbaum der heilige Baum der Tainos. Wer unter dem Ceibabaum von Tamboríl steht, lernt ganz schnell, was das Wort Demut bedeutet.

bromelien

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