Interview mit Franziska Walter, Geschäftsführerin des WDC

 In Allgemein

Seit diesem Jahr ist der WDC (Whale and Dolphin Conservation) Partner des Walflüsterers. Doch was macht der WDC eigentlich genau, welche Erfolge konnte er in Bezug auf den Walschutz bereits verzeichnen und welche Vison verfolgt er. Darüber haben wir mit Franziska Walter, Geschäftsführerin des WDC,  gesprochen.

 

Wer oder was ist WDC?

„WDC, Whale and Dolphin Conservation ist die weltweit führende internationale gemeinnützige Organisation, die sich ausschließlich dem Schutz von Walen, Delfinen und deren Lebensraum widmet. Gegründet 1987 in Großbritannien sind wir seit 1999 mit einem Büro in Deutschland vertreten. Weitere Büros befinden sich in Argentinien, den USA und in Australien.“

 

Was ist die Aufgabe von WDC?

„Im Rahmen von Kampagnen, politischer Überzeugungsarbeit, Bildung, Beratung, Forschung, Rettungs- und Schutzprojekten tun wir alles, um Wale und Delfine vor den zahlreichen Gefahren, denen sie heute ausgesetzt sind, zu schützen und diese zu vermindern bzw. letztlich zu beenden.“

 

Warum ist auch heute noch der Einsatz für den Schutz der Wale und Delfine so wichtig?

„Im 19. und insbesondere im 20. Jahrhundert wurden Wale gnadenlos gejagt, einige Arten bis an den Rand der Ausrottung. Eine aktuelle Studie belegt, dass zwischen 1900 und 1999 fast drei Millionen Wale den Harpunen zum Opfer fielen. Aus  diesem Grund verhängte die Internationale Walfangkommission (IWC) 1982 das sogenannte Walfang Moratorium, das bis heute gilt und welches den kommerziellen Walfang weltweit verbietet. Island und Norwegen halten sich jedoch nicht daran und auch Japan jagt nach wie vor Wale, vorgeblich zu „wissenschaftlichen“ Zwecken. Einige Arten haben sich inzwischen erholt, andere sind jedoch nach wie vor stark gefährdet. Und neben dem Walfang sehen sich Wale vielen weiteren vom Mensch gemachten und verursachten Problemen gegenüber, die ihnen die Lebensgrundlage oder ihre Freiheit rauben: sie verfangen sich zu hunderttausenden in Fischereigerät (und eine beträchtliche Zahl stirbt daran), unsere Meere werden immer lauter (desaströs für Wale, die sich mit ihrem Gehör orientieren), immer schmutziger (Plastikabfall stellt dabei eine große Bedrohung dar) und sie werden nach wie vor gefangen, um in Delfinarien ihr Leben zu fristen und viel zu früh zu sterben.

Neben jeder Population und jedem Individuum mit seiner Familie, seinem Verband und seiner Geschichte, steht aber auch die Bedeutung, die Wale und Delfine für unser Ökosystem haben. Forschungsergebnisse zeigen, dass Wale die Auswirkungen des Klimawandels mindern können, indem sie Nährstoffe liefern, die die Produktion von Phytoplankton ankurbeln, welches den Großteil des Sauerstoffs in der Atmosphäre produziert.“

 

Welche Arten sind besonders gefährdet?

„Der Einfluss des Menschen auf Wale und Delfine ist enorm: Einige Populationen sind stark zurückgegangen und viele gefährdet. In den letzten Jahren haben wir mit großer Wahrscheinlichkeit sogar eine Art verloren – den Chinesischen Flussdelfin, auch Baiji genannt. Anderen droht ein ähnliches Schicksal. Der Nordatlantische Glattwal zählt vermutlich nur mehr 500 Individuen. Die Zahl der neuseeländischen Maui Delfine wird auf nur noch ca. 55 Tiere geschätzt.“

 

Welche Erfolge kann der WDC durch seine Arbeit verzeichnen?

„Einige Erfolge aus dem letzten Jahr: Wir konnten zum Beispiel erreichen, dass Schweinswale in Zukunft in europäischen Gewässern besser geschützt werden, weil wir durch hartnäckige Kampagnenarbeit erreichen konnten, dass es endlich offizielle Konsultationen zur Ausweisung von fünf konkreten Schutzgebieten gibt. Gemeinsam mit isländischen Walschützern hat WDC Walbeobachtung in Island als vielversprechenden Wirtschaftszweig gestärkt. Und durch intensive Kampagnenarbeit hat WDC dazu beigetragen, dass 2016 keine Finnwale in isländischen Gewässern gejagt wurden. Wir konnten im vergangenen Jahr aber auch erreichen, dass das Importverbot für Belugas aus Russland in ein Delfinarium in den USA aufrecht erhalten wurde.“

 

Was zeichnet die Dominikanische Republik als Waldestination aus?

„In der Dominikanischen Republik gibt es eine Vielzahl von Naturschutzgebieten – eines davon ist ja die Halbinsel Samaná. Zwischen Januar und März werden dort zwischen 3.000 und 5.000 Buckelwale erwartet, die jedes Jahr in den flachen Gewässern der Bucht ihre Babys zur Welt bringen und aufziehen. Ein hervorragender Ort also, um Wale in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.“

 

Welche Vision verfolgt WDC?

„Unsere Vision ist eine Welt, in der jeder Wal und Delfin frei und sicher leben kann.“

 

Warum ist WDC Partner des Walflüsterer-Projekts?

„Das Walflüsterer-Projekt verfolgt denselben Ansatz wie WDC, nämlich nachhaltige Walbeobachtung aktiv zu fördern. Nach dem im Frühsommer 2016 erschienenen Ratgeber für verantwortungsvolle Walbeobachtung ist die Kooperation mit dem Walflüsterer daher nun ein weiteres spannendes Projekt zum Thema für uns.“

 

Was begeistert Sie, Frau Walter, persönlich am Walflüsterer-Projekt?

„Die Möglichkeit hautnah dabei zu sein, viele Menschen mit einem wichtigen Anliegen zu erreichen und nachhaltigen Tourismus zu fördern.“

Recommended Posts

Start typing and press Enter to search