Interview mit Kim Beddall von Whale Samaná

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So langsam wird es spannend und der Jury-Entscheid rückt näher. Auch Kim von Whale Samaná ist gespannt auf den neuen Walflüsterer/die neue Walflüsterin. Sie drückt allen Kandidaten ihre Daumen. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit als Whale Watcher gesprochen.

Whale Samaná

Kim Beddall (Mitte) von Whale Samaná

Seit wieviel Jahren arbeitest du als Whale Watcher hier in Samaná?
Kim: „Ich habe 1985 angefangen und seit 31 Jahren jeden Winter mit Whale Watching verbracht und die verantwortungsvolle Walbeobachtung als wirtschaftlich nachhaltige Alternative zur Bejagung promotet.“

Wie unterscheidest du die Wale?
Kim: „Jeder Wal hat ein bestimmtes Muster von schwarzen und weißen Maserungen an der Unterseite der Schwanzflosse und ist wie der Fingerabdruck bei einem Menschen. Es gibt keine zwei Wale mit dem gleichen Muster. Auch Narben und Verletzungen auf der Rückenflosse helfen bei der Identifizierung der Individuen.“

Bist du der Meinung, dass Wale eine Persönlichkeit haben?
Kim: „Ja, jeder Wal hat seine eigene Persönlichkeit, Dinge, die er mag und die er nicht mag – abhängig von seiner Lebensgeschichte. Sie verhalten sich nicht alle gleich, manche haben sogar sehr eindeutige individuelle Verhaltensweisen, die uns auch bei der Identifizierung helfen.“

Inwiefern unterscheidet sich das Verhalten bei den Walen?
Kim: „Manche Wale sind zum Beispiel neugieriger als andere. Einigd nähern sich Booten an, andere vermeiden es und weichen lieber aus. Auch die Art der Nahrungsaufnahme und die Vorlieben beim Fressen unterscheiden sich. Auch gibt es Rechts- und Linkshänder bzw. -flosser unter den Walen. Unter den Walen mögen sich auch manche lieber als andere. Auch gibt es Buckelwale, die mit anderen Meereslebewesen wie Delfinen oder anderen Walarten spielen. Das Verhalten ist sehr unterschiedlich und es handelt sich definitiv um Individuen.“

Wie alt ist der älteste Buckelwal in der Bucht von Samaná?
Kim: „Wir haben hier einen weiblichen Buckelwal, der das erste Mal 1993 fotografiert wurde. Sie ist über die Jahre immer wieder fotografiert worden, als Single-Weibchen, nach einem geeigneten Männchen Ausschau haltend und 2014 mit fünf Kälbern. Ihre Fressgründe befinden sich an der Ostküste Kanadas und sie wurde auch schon vor Neufundland & Labrador gesichtet und fotografiert. Vielleicht wird sie diesen Winter wieder kommen, um ein neues Baby zu bekommen. Wir nennen sie IV, weil sie eine I auf der linke Seite ihrer Rückflosse und auf der rechten Seite ein V hat. Generell wird prognostiziert, dass Buckelwale älter als 70 Jahre werden können.“

Wie kann man eigentlich das Alter von Buckelwalen bestimmen?
Kim: „Durch die Beobachtung und die Fotoidentifikation können wir auf das Alter schließen. Dazu muss man ein Baby mit Beginn seines Geburtsjahrs verfolgen. Salt, eine bekanntes Gulf of Maine-Buckelwalweibchen wurde 1975 das erste Mal fotografiert. 2014 war ein ganz besonderes Jahr, denn sie gebar seit 1975 ihr dreizehntes Baby. Ihre Tochter, Thalassa hat 2014 auch ein Baby bekommen und sie somit gleichzeitig zur Großmutter gemacht. Und auch ihr Enkelkind Etch a Sketch hat 2014 ihr erstes Baby bekommen, so dass sie in einem Winter Mutter, Großmutter und Urgroßmutter wurde.“

Gibst du den Buckelwalen Namen?
Kim: „Nordatlantik-Buckelwale werden nach den Merkmalen in ihren Flossen benannt. Beispiele sind Arrow, Cat’s Paw, Hockey, Anchor, Tinta, Etch a Sketch, Sword, Firefly und Giraffe. Im Nordatlantik Buckelwal-Katalog, der sich am College of the Atlantic in Bar Harbour, Maine, befindet, sind mehr als 8000 Walindividuen dokumentiert und die meisten von ihnen haben Namen.“

Hast du selbst einen Liebling unter den Walen?
Kim: „Nein, ich habe keinen Favoriten, aber ich habe einen speziellen Spot für Buckelwal-Weibchen mit Babys. In der letzten Saison, im Winter 2015, haben wir hier in der Samaná Bay 40 Mütter mit Kälbern dokumentiert. Samaná ist der drittwichtigste Ort für Buckelwalweibchen im Nordatlantik, um Kinder zu gebären. Die trächtigen Buckelwalweibchen kommen hier her, um in den warmen und geschützten Gewässern ihre Babys zu gebären. Deswegen sind eine Mehrheit der Buckelwale Dominikaner, geboren in Dominikanischen Gewässern. Sie migrieren zwar Richtung Norden, um zu fressen, kommen aber immer wieder an den Ort, an dem sie geboren wurden, zurück. Es gibt nichts, was man mit der Beobachtung von einem kleinen, ein paar Tage oder Wochen alten Buckelwal-Baby vergleichen könnte. Drei bis vier Meter lang, schwimmt es neben seiner gewaltigen Mutter her. Dann kann man sich glücklich schätzen, diese beeindruckenden Lebewesen jeden Winter sehen zu dürfen und dass so viele Besucher die Möglichkeit haben einen kleinen Einblick in ihr Leben zu bekommen, den sie nie wieder vergessen. Es ist ein unbezahlbarer nationales Erbe für die Dominikanische Republik und die gesamte Karibik.“

Pura Mia- das Boot von Whale Samaná

Pura Mia- das Boot von Whale Samaná

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