Wie der Wal das Schwimmen lernte oder die Entwicklungsgeschichte der Wale

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Vor vielen Millionen Jahren haben die Wale einmal an Land gelebt – das ist wissenschaftlich bewiesen. Wie es dazu kam und wann der Vorfahre des heutigen Wals vom Land ins Wasser ging und wann die Buckelwale, so wie wir sie kennen, entstanden, verrät uns Dr. Bernd Herkner, Leiter Abteilung Museum / Leiter Senckenberg-Schule des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt am Main.

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Dr. Bernd Herkner, Leiter Abteilung Museum / Leiter Senckenberg-Schule des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt am Main.

Woher wissen die Experten, dass die Wale früher einmal an Land gelebt haben?
Dr. Herkner: Wale sind Säugetiere. Sie besitzen eine typische Säugetieranatomie, sie sind warmblütig und ihre Jungen werden vor der Geburt über die Plazenta der Mutter, nach der Geburt mit Milch der Mutter versorgt. Durch Fossilfunde wissen wir, dass alle Säugetiere von landlebenden Reptilien abstammen. Alle heutigen, im Wasser lebenden Säugetiere müssen also von Landtieren abstammen. Zudem gibt es Fossilfunde von Übergangsphasen dieser Entwicklung. Walähnliche Tiere, die noch vier Beine haben, oder Tiere, deren Beine bereits zu Flossen umgewandelt sind. Schließlich solche, bei denen die Hinterextremitäten ganz fehlen und das Becken reduziert ist.

Welcher Fund gibt darüber Aufschluss und wann und wo wurde er gemacht?
Dr. Herkner: Obwohl Funde von Übergangsformen, welche die Entwicklungsgeschichte der Wale dokumentieren, nicht häufig sind, gibt es doch weit mehr als nur ein Fossil. Pakicetus gilt als bislang ältester und ursprünglichster Wal-Vorläufer. Er wurde in Pakistan gefunden und lebte vor etwa 50 Mio. Jahren am und im Wasser von Flüssen. Er hatte noch Beine und sogar kleine Hufe an den Zehen. Ambulocetus, der „laufende Wal“ hatte bereits kürzere Beine und wahrscheinlich Schwimmhäute zwischen den Zehen. Er lebte sicher schon überwiegend im Wasser, konnte aber noch an Land gehen. Seine Skelettreste wurden ebenfalls in 50 Mio. Jahre alten Sedimenten in Pakistan gefunden. Basilosaurus und Durodon, die vor etwa 40 Mio. Jahren lebten, konnten schon nicht mehr an Land gehen. Sie verbrachten ihr ganzes Leben im Meer. Die Vorderextremitäten waren bereits zu Flossen umgewandelt und die Hinterbeine winzig klein. Der Schwanz war auch schon mit einer Fluke (Schwanzflosse) ausgestattet. Skelettfunde von diesen Tieren gibt es aus Nordafrika, aber auch von ein paar weiteren Fundorten in der Welt.

Wie lange hat es gedauert, bis der Wal vom Land ins Meer ging uns was war überhaupt der Grund? Waren die Lebensbedingungen an Land nicht mehr adäquat?
Dr. Herkner: Durch die Katastrophe am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren sind nicht nur die Dinosaurier ausgestorben, sondern auch sämtliche Meeresreptilien. Die frei gewordenen Lebensräume wurden sowohl an Land als auch im Wasser sukzessive von Säugetieren ausgefüllt. Dies dauerte in einigen Fällen nur wenige Millionen Jahre, in anderen Fällen durchaus 20 Millionen Jahre. Da es bereits vor 50 Millionen Jahren walähnliche Tiere gab (Pakicetus und Ambulocetus), kann man davon ausgehen, dass der Übergang von huftierähnlichen Formen zu wahlähnlichen Formen nur wenige Millionen Jahre gedauert hat. Je nachdem, wo man den Anfang und das Ende der Entwicklung ansetzt, können es auch weniger als eine Million Jahre gewesen sein. Aufgrund der langen Tragzeit bzw. der langen Reproduktionszyklen der Wale sind mehre Millionen Jahre jedoch realistischer. Also mindestens 1-2 Millionen Jahre.

Wie haben sich daraus die verschiedenen Walarten entwickelt und wie hat sich speziell der Buckelwal entwickelt?
Dr. Herkner: Bei den Zahnwalen haben sich die ursprünglich eher triangulären und vielspitzigen Zähne der Walvorläufer zu spitzen, kegelförmigen Zähnen, die zum Fischfang geeignet sind, entwickelt. Bei den Bartenwalen hat sich die Gaumenhaut zunehmend in Falten gelegt und sich zu einem Filterapparat entwickelt, der Plankton (vor allem kleine Krebse) aus dem Meer siebt. Dabei sind die Gaumenfalten nicht nur länger geworden, sie haben sich auch zu verhornten Platten (Barten) entwickelt, die am Ende borstenartig ausgefranzt sind. Diese Borsten bilden den Filter. Gleichzeitig wurden die Zähne zurück gebildet. Nur während der Embryonalentwicklung treten noch sogenannte Zahnblasen auf, die aber bis zur Geburt wieder rückgebildet werden. Die beschriebene evolutionäre Entwicklung hat auch der Buckelwal vollzogen.

Seit wann gibt es den Buckelwal, so wie wir ihn kennen?
Dr. Herkner: Moderne Zahn- und Bartenwale, wie wir sie heute kennen, haben sich dann so vor etwa 35-25 Mio. Jahren entwickelt. Delfine und Buckelwale sind vor etwa 15-12 Mio. Jahren entstanden.

Hier erfahrt ihr mehr zum Thema „Mythos Wal“.

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